Il fu Mattia Pascal

Il fu Mattia Pascal

Der verstorbene Mattia Pascal

Luigi Pirandello · 1904

Ein Roman über Identität, Freiheit und die Illusion der Wiedergeburt.

Den Anfang lesen

Der Originaltext, jede Zeile gefolgt von ihrer Übersetzung.

Una delle poche cose, anzi forse la sola ch’io sapessi di certo era questa: che mi chiamavo Mattia Pascal. E me ne approfittavo.

Eines der wenigen Dinge, oder besser gesagt, vielleicht das Einzige, das ich mit Sicherheit wusste, war dies: dass mein Name Mattia Pascal war. Und das nutzte ich aus.

Ogni qual volta qualcuno de’ miei amici o conoscenti dimostrava d’aver perduto il senno fino al punto di venire da me per qualche consiglio o suggerimento, mi stringevo nelle spalle, socchiudevo gli occhi e gli rispondevo:

Immer wenn einer meiner Freunde oder Bekannten Anzeichen dafür zeigte, dass er den Verstand verloren hatte und mich um Rat oder Anregungen bat, zuckte ich mit den Schultern, schloss die Augen und antwortete:

— Io mi chiamo Mattia Pascal.

— Mein Name ist Mattia Pascal.

— Grazie, caro. Questo lo so.

— Danke, Liebes. Das weiß ich.

— E ti par poco?

—Und erscheint Ihnen das wenig?

Non pareva molto, per dir la verità, neanche a me. Ma ignoravo allora che cosa volesse dire il non sapere neppur questo, il non poter più rispondere, cioè, come prima, all’occorrenza:

Ehrlich gesagt, schien es mir auch nicht viel zu sein. Aber ich wusste damals nicht, was es bedeutete, nicht einmal das zu wissen, nicht mehr wie zuvor antworten zu können, wenn es nötig war:

— Io mi chiamo Mattia Pascal.

— Mein Name ist Mattia Pascal.

Qualcuno vorrà bene compiangermi (costa così poco), immaginando l’atroce cordoglio d’un disgraziato, al quale avvenga di scoprire tutt’a un tratto che....

Manche mögen mich bemitleiden wollen (es kostet ja nicht viel) und sich den furchtbaren Kummer eines unglücklichen Mannes vorstellen, der plötzlich entdeckt, dass....

sì, niente, insomma: nè padre, nè madre, nè come fu o come non fu; e vorrà pur bene indignarsi (costa anche meno) della corruzione dei costumi, e de’ vizii, e della tristezza dei tempi, che di tanto male possono esser cagione a un povero innocente.

Ja, nichts, kurz gesagt: weder Vater noch Mutter, noch wie er war oder wie er nicht war; und er wird sich gewiss empören wollen (es kostet noch weniger) über die Verderbnis der Sitten und der Laster und die Traurigkeit der Zeiten, die einem armen Unschuldigen so viel Leid zufügen können.

Ebbene, si accomodi. Ma è mio dovere avvertirlo che non si tratta propriamente di questo.

Nun, kommen Sie herein. Aber ich muss Sie warnen, dass es hier nicht genau darum geht.

Potrei qui esporre, di fatti, in un albero genealogico, l’origine e la discendenza della mia famiglia e dimostrare come qualmente non solo ho conosciuto mio padre e mia madre, ma e gli antenati miei e le loro azioni, in un lungo decorso di tempo, non tutte veramente lodevoli.

Ich könnte hier tatsächlich in einem Stammbaum die Herkunft und Abstammung meiner Familie aufzeigen und darlegen, wie ich nicht nur meinen Vater und meine Mutter, sondern auch meine Vorfahren und deren Taten über einen langen Zeitraum hinweg kannte, von denen nicht alle wirklich lobenswert waren.

E allora?

Na und?

Ecco: il mio caso è assai più strano e diverso; tanto diverso e strano che mi faccio a narrarlo.

Hier: Mein Fall ist viel seltsamer und anders; so anders und seltsam, dass ich mich gezwungen sehe, ihn zu erzählen.

Fui, per circa due anni, non so se più cacciatore di topi che guardiano di libri nella biblioteca che un Monsignor Boccamazza, nel 1803, volle lasciar morendo al nostro Comune.

Etwa zwei Jahre lang war ich mir nicht sicher, ob ich eher Mäusefänger oder Buchhalter in der Bibliothek war, die Monsignore Boccamazza nach seinem Tod im Jahr 1803 unserer Gemeinde hinterlassen wollte.

È ben chiaro che questo Monsignore dovette conoscer poco l’indole e le abitudini de’ suoi concittadini; o forse sperò che il suo lascito dovesse col tempo e con la comodità accendere nel loro animo l’amore per lo studio.

Es ist klar, dass dieser Monsignore wenig Kenntnisse über das Wesen und die Gewohnheiten seiner Mitbürger gehabt haben muss; oder vielleicht hoffte er, dass sein Vermächtnis mit der Zeit und den entsprechenden Umständen in ihren Seelen die Liebe zum Studium entfachen würde.

Finora, ne posso rendere testimonianza, non si è acceso: e questo dico in lode de’ miei concittadini.

Bis jetzt, das kann ich bezeugen, ist es nicht in Brand geraten; und das sage ich zu Ehren meiner Mitbürger.

Del dono anzi il Comune si dimostrò così poco grato al Boccamazza, che non volle neppure erigergli un mezzobusto pur che fosse, e i libri lasciò per molti e molti anni accatastati in un vasto e umido magazzino, donde poi li trasse, pensate voi in quale stato, per allogarli nella chiesetta fuori mano di Santa Maria Liberale, non so per qual ragione sconsacrata.

Tatsächlich zeigte die Gemeinde Boccamazza gegenüber so wenig Dankbarkeit für die Schenkung, dass sie nicht einmal ein Halbfigurenporträt von ihm aufstellen wollte und die Bücher viele, viele Jahre lang in einem riesigen, feuchten Lagerhaus stapeln ließ, von wo sie sie dann, in welchem Zustand man sich vorstellen kann, in die kleine, abgelegene Kirche Santa Maria Liberale brachte, die aus irgendeinem Grund profaniert worden war.

Qua li affidò, senz’alcun discernimento, a titolo di beneficio, e come sinecura, a qualche sfaccendato ben protetto il quale, per due lire al giorno, stando a guardarli, o anche senza guardarli affatto, ne avesse sopportato per alcune ore il tanfo della muffa e del vecchiume.

Hier übergab er sie, ohne jegliches Urteilsvermögen, als Wohltat und als Pfründe einem gut geschützten Müßiggänger, der für ein paar Lire am Tag, indem er sie ansah oder auch gar nicht ansah, den Gestank von Schimmel und Abgestandenheit für ein paar Stunden ertragen würde.

Tal sorte toccò anche a me; e fin dal primo giorno io concepii così misera stima dei libri, sieno essi a stampa o manoscritti (come alcuni antichissimi della nostra biblioteca), che ora non mi sarei mai e poi mai messo a scrivere, se, come ho detto, non stimassi davvero strano il mio caso e tale da poter servire d’ammaestramento a qualche curioso lettore, che per avventura, riducendosi finalmente a effetto l’antica speranza della buon’anima di Monsignor Boccamazza, capitasse in questa biblioteca, a cui io lascio questo mio manoscritto, con l’obbligo però che nessuno possa aprirlo se non cinquant’anni dopo la mia terza, ultima e definitiva morte.

Dieses Schicksal ereilte auch mich; und vom ersten Tag an hatte ich eine so geringe Meinung von Büchern, ob gedruckt oder handschriftlich (wie einige sehr alte in unserer Bibliothek), dass ich jetzt niemals mit dem Schreiben begonnen hätte, wenn ich, wie ich bereits sagte, meinen Fall nicht für wahrhaft seltsam hielte und für einen solchen, der einem neugierigen Leser als Lehre dienen könnte, der vielleicht, da sich die alte Hoffnung des verstorbenen Monsignore Boccamazza endlich erfüllt hat, zufällig auf diese Bibliothek stoßen sollte, der ich dieses Manuskript von mir hinterlasse, jedoch mit der Auflage, dass es niemand vor fünfzig Jahren nach meinem dritten, endgültigen und endgültigen Tod öffnen darf.

Giacchè, per il momento (e Dio sa quanto me ne duole), io sono morto, sì, già due volte, ma la prima per errore, e la seconda… sentirete.

Denn im Moment (und Gott weiß, wie sehr es mich schmerzt) bin ich, ja, schon zweimal gestorben, aber das erste Mal versehentlich, und das zweite Mal… werdet ihr noch hören.

Lies das ganze Buch in der App, mit Audio und Übersetzung per Fingertipp.

Mehr italienische Bücher