
Cuore
Herz
Edmondo De Amicis · 1886 · 10 Kapitel
Eine moralische Erzählung über Kindheit, Patriotismus und Empathie.
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Der Originaltext, jede Zeile gefolgt von ihrer Übersetzung.
17, lunedì.
17., Montag.
Oggi primo giorno di scuola. Passarono come un sogno quei tre mesi di vacanza in campagna! Mia madre mi condusse questa mattina alla Sezione Baretti a farmi inscrivere per la terza elementare: io pensavo alla campagna e andavo di mala voglia.
Heute ist der erste Schultag. Die drei Monate Ferien auf dem Land sind wie im Flug vergangen! Meine Mutter hat mich heute Morgen zur Schule in Baretti gebracht, um mich für die dritte Klasse anzumelden. Ich habe ans Landleben gedacht und wollte gar nicht hin.
Tutte le strade brulicavano di ragazzi; le due botteghe di libraio erano affollate di padri e di madri che compravano zaini, cartelle e quaderni, e davanti alla scuola s’accalcava tanta gente che il bidello e la guardia civica duravan fatica a tenere sgombra la porta.
Alle Straßen waren voller Kinder; die beiden Buchhandlungen waren überfüllt mit Vätern und Müttern, die Rucksäcke, Schultaschen und Notizbücher kauften, und vor der Schule drängten sich so viele Menschen, dass der Hausmeister und die Stadtwache Mühe hatten, den Eingang freizuhalten.
Vicino alla porta, mi sentii toccare una spalla: era il mio maestro della seconda, sempre allegro, coi suoi capelli rossi arruffati, che mi disse: — Dunque, Enrico, siamo separati per sempre? — Io lo sapevo bene; eppure mi fecero pena quelle parole.
Nahe der Tür spürte ich eine Berührung an meiner Schulter: Es war mein Lehrer aus der zweiten Klasse, immer gut gelaunt, mit seinem zerzausten roten Haar, der zu mir sagte: „Also, Enrico, sind wir für immer getrennt?“ Ich wusste es genau; dennoch empfand ich bei diesen Worten Mitleid mit ihm.
Entrammo a stento. Signore, signori, donne del popolo, operai, ufficiali, nonne, serve, tutti coi ragazzi per una mano e i libretti di promozione nell’altra empivan la stanza d’entrata e le scale, facendo un ronzio che pareva d’entrare in un teatro.
Wir kamen nur mit Mühe hinein. Damen, Herren, einfache Frauen, Arbeiter, Offiziere, Großmütter, Dienstmädchen, alle mit Jungen auf dem Arm und Beförderungsbüchern in der anderen Hand, füllten die Eingangshalle und das Treppenhaus und erzeugten ein Stimmengewirr, das sich wie der Eintritt in ein Theater anfühlte.
Lo rividi con piacere quel grande camerone a terreno, con le porte delle sette classi, dove passai per tre anni quasi tutti i giorni. C’era folla, le maestre andavano e venivano.
Ich freute mich, den großen Raum im Erdgeschoss wiederzusehen, mit den Türen zu den sieben Klassenzimmern, in dem ich fast drei Jahre lang jeden Tag verbracht hatte. Es war voll, die Lehrer kamen und gingen.
La mia maestra della prima superiore mi salutò di sulla porta della classe e mi disse: — Enrico, tu vai al piano di sopra, quest’anno; non ti vedrò nemmen più passare! — e mi guardò con tristezza.
Meine Lehrerin der ersten Klasse begrüßte mich von der Klassenzimmertür aus und sagte: „Enrico, du gehst dieses Jahr nach oben; ich werde dich nicht einmal mehr vorbeigehen sehen!“ und sie sah mich traurig an.
Il Direttore aveva intorno delle donne tutte affannate perchè non c’era più posto per i loro figlioli, e mi parve ch’egli avesse la barba un poco più bianca che l’anno passato. Trovai dei ragazzi cresciuti, ingrassati.
Der Direktor war von Frauen umringt, die alle besorgt waren, weil kein Platz mehr für ihre Kinder war, und mir schien, sein Bart sei etwas weißer als im Vorjahr. Ich sah einige Kinder, die gewachsen und an Gewicht zugenommen hatten.
Al pian terreno, dove s’eran già fatte le ripartizioni, c’erano dei bambini delle prime inferiori che non volevano entrare nella classe e s’impuntavano come somarelli; bisognava che li tirassero dentro a forza; e alcuni scappavano dai banchi; altri, al veder andar via i parenti, si mettevano a piangere, e questi dovevano tornare indietro a consolarli o a ripigliarseli, e le maestre si disperavano.
Im Erdgeschoss, wo die Klassen bereits aufgeteilt waren, gab es einige Kinder aus der ersten Klasse, die nicht in den Klassenraum gehen wollten und sich wie Esel eingruben; sie mussten mit Gewalt hineingezerrt werden; und einige rannten von ihren Tischen weg; andere begannen zu weinen, als sie sahen, dass ihre Eltern gingen, und die Eltern mussten zurückgehen, um sie zu trösten oder sie wieder mitzunehmen, und die Lehrer waren verzweifelt.
Il mio piccolo fratello fu messo nella classe della maestra Delcati; io dal maestro Perboni, su al primo piano.
Mein kleiner Bruder kam in Frau Delcatis Klasse; ich kam in Frau Perbonis Klasse, oben im ersten Stock.
Alle dieci eravamo tutti in classe: cinquantaquattro: appena quindici o sedici dei miei compagni della seconda, fra i quali Derossi, quello che ha sempre il primo premio.
Um zehn Uhr waren wir alle im Unterricht: vierundfünfzig: nur fünfzehn oder sechzehn meiner Klassenkameraden aus der zweiten Klasse, darunter Derossi, derjenige, der immer den ersten Preis gewinnt.
Mi parve così piccola e triste la scuola pensando ai boschi, alle montagne dove passai l’estate!
Die Schule erschien mir so klein und traurig, als ich an die Wälder und Berge dachte, wo ich den Sommer verbracht hatte!
Anche ripensavo al mio maestro di seconda, così buono, che rideva sempre con noi, e piccolo, che pareva un nostro compagno, e mi rincresceva di non vederlo più là, coi suoi capelli rossi arruffati.
Ich musste auch an meinen Lehrer aus der zweiten Klasse denken, so ein lieber Kerl, der immer mit uns gelacht hat, und so klein, dass er wie einer unserer Klassenkameraden wirkte, und ich bedauerte es sehr, ihn nicht mehr da zu sehen, mit seinem zerzausten roten Haar.
Il nostro maestro è alto, senza barba, coi capelli grigi e lunghi, e ha una ruga diritta sulla fronte; ha la voce grossa, e ci guarda tutti fisso, l’un dopo l’altro, come per leggerci dentro; e non ride mai. Io dicevo tra me: — Ecco il primo giorno.
Unser Lehrer ist groß, bartlos, hat langes graues Haar und eine tiefe Falte auf der Stirn; er hat eine tiefe Stimme und mustert uns alle nacheinander, als wolle er unsere Gedanken lesen; und er lacht nie. Ich dachte bei mir: „Das ist der erste Tag.“
Ancora nove mesi. Quanti lavori, quanti esami mensili, quante fatiche! — Avevo proprio bisogno di trovar mia madre all’uscita, e corsi a baciarle la mano. Essa mi disse: — Coraggio Enrico! Studieremo insieme. — E tornai a casa contento.
Noch neun Monate. So viel Arbeit, so viele Monatsprüfungen, so viel Anstrengung! – Ich musste unbedingt meine Mutter am Ausgang finden und rannte zu ihr, um ihr die Hand zu küssen. Sie sagte zu mir: „Nur Mut, Enrico! Wir lernen zusammen.“ – Und glücklich ging ich nach Hause.
Ma non ho più il mio maestro, con quel sorriso buono e allegro, e non mi par più bella come prima la scuola.
Aber meine Lehrerin mit ihrem freundlichen, fröhlichen Lächeln ist nicht mehr da, und die Schule erscheint mir nicht mehr so schön wie früher.
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